Ende der 1950er Jahre hat der US-amerikanische Psychologe George A. Kelly seine „Psychologie der persönlichen Konstrukte“ vorgestellt. Menschen, so seine Annahme, nehmen die Welt um sie herum nicht nur wahr, in dieser Wahrnehmung konstruieren sie zugleich ihre Welt. Von besonderer Bedeutung dafür sind die Erfahrungen, die Menschen in ihrer Kindheit und Jugend mit ihren Eltern oder mit den für sie wichtigen Personen gemacht haben. Kelly hat auf der Grundlage dieser Theorie einen psychotherapeutischen Ansatz entwickelt, mit dessen Hilfe Menschen lernen können, neue Rollen zu erproben und ihre eigene Welt neu zu konstruieren. In der Psychotherapie neue (Handlungs-) Muster zu entwickeln ist (so nennt es die systemische Therapie, zu deren Vorläufern Kelly gehört) „ein Unterschied, der einen Unterschied macht“.

„Was von dem, was Ihre Eltern Ihnen vorgelebt haben, war für Sie besonders bedeutungsvoll?“ Und: „Was von dem haben Sie für sich übernommen, und in welcher Weise genau legen Sie Wert darauf, sich von den wichtigen Personen ihrer Kindheit und Jugend zu unterscheiden?“

Systemische Therapie bringt Sie mit den Menschen ins Spiel, mit denen Sie leben. Systemische Therapie sieht Menschen in einem Netz von Beziehungen und deren Wechselwirkungen, eingebunden in ein soziales System. Wenn systemische Therapeut_innen sich gemeinsam mit ihren Klient_innen emotionale Krisen, seelische Beeinträchtigungen und psychische Belastungen anschauen, dann geht es immer auch darum, welche Bedeutungen diese für ein soziales System hat: Welche alten Muster erhalten das „Problem“ am Leben, und welche neuen Muster sind „not-wendig“, um an einer Lösung zu arbeiten. Dabei entwickeln soziale Systeme oft eine ganz eigene Logik von Problem und Lösung. Systemisch denken und handeln heißt, diese Autonomie sozialer Systeme und der darin handelnden Menschen zu beobachten und anzuerkennen.

Systemische Therapie ist die Bezeichnung für eine bestimmte Art des Denkens und Handelns, das vor über 40 Jahren mit der Familientherapie begann und sich von dort aus weiterentwickelt hat. Heute wird von systemischer Therapie, Beratung und Praxis gesprochen, um zu verdeutlichen, dass es nicht zwangsläufig Familien im traditionellen Sinn sein müssen, die im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen: Systemisches Arbeiten gelingt mit Einzelnen, Paaren, Gruppen und Wahlfamilien, mit Ein-Eltern-Familien, Patchworkfamilien oder Regenbogenfamilien. Der systemischen Therapie geht es nicht darum, Probleme als Eigenschaften einzelner Personen wahrzunehmen. Es geht um eine Arbeitsweise, in deren Mittelpunkt soziale Strukturen von Systemen stehen und wie Menschen miteinander umgehen und in der Lage sind, die Perspektive der anderen zu übernehmen.

„Woran werden Sie bemerken, dass das Ziel der Therapie erreicht ist? Werden Sie eher etwas tun, was Sie bislang nicht getan haben, oder werden Sie eher etwas unterlassen, was Sie bisher getan haben? Für wen wird diese Veränderung positiv sein? Für wen wird diese Veränderung negativ sein?“

Schön, dass Sie sich entschieden haben, aufmerksam und respektvoll mit sich und ihrem seelischen Wohlbefinden umzugehen – wie kann ich Ihnen dabei helfen?

Ihr Weg zu mir ...

Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie verbindet Menschen und Institutionen, die systemisch arbeiten. Sie ist ein berufsübergreifender Fachverband für Systemische Therapie, Beratung, Supervision, Mediation, Coaching und Organisationsentwicklung.
Der Verband für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle und queere Menschen in der Psychologie (VLSP) e.V. wurde 1993 in München gegründet. Er versteht sich als fach- und berufsbezogene Interessenvertretung von Kollegen_innen aus allen Fach- und Arbeitsbereichen der Psychologie.